12. April 2013 – Chance to Grow Reisebericht Februar 2013

12. 04. 2013 12. 04. 2013 von admin Leave a reply »

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Im Rahmen meiner Reise nach Vietnam im Februar 2013 hatte ich die Gelegenheit, die Kooperationspartner von Chance to Grow e.V. in der Stadt Hue und der Quang Tri Provinz zu besuchen.

Ein deutscher Schüler aus der Waldorfschule in Heidelberg, Konstantin Sestakov, 17 Jahre alt, durfte mich während dieser Reise begleiten. Konstantin wollte sein 3-wöchiges Schulpraktikum einem Waisenhaus in Vietnam absolvieren, und Chance to Grow e.V. ermöglichte ihm diesen Wunsch in dem Waisenhaus Uu Dam in der Stadt Hue, in dem wir unser Unterstützungsprogramm im Jahr 2013 entwickeln werden. Konstantin begleitete uns somit bei allen wichtigen Besuchen und bekam darüber hinaus  auch einen Einblick in die Projekte von Chance to Grow e.V. in Vietnam.

Zu Besuch bei den Patenkindern in Quang Tri

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Früh am Morgen sind wir über eine Stunde von der Stadt Hue zur 87 km entfernten Provinz Quang Tri gefahren, um unserem Kooperationspartner , die buddhistische Wohltätigkeitsorganisation , das neue Projekt „Patenschaft“ vorstellen und zusammen ausarbeiten zu können.

Anschließend haben wir 2 Kinder mit und 5 Kinder ohne Paten  besucht, um sie und ihre Familien persönlich kennenlernen und ihre Lebenslage vor Ort besser einschätzen zu können.

3Das erste Kind, welches wir besuchen, heißt Pham Thi Hoai Thuong und ist das Patenkind von Herrn Wilfired Stevens. Thuong hat beide Elternteile verloren und wohnt zur Zeit bei ihren über 80 Jahre alten Großeltern. Ihre beiden Geschwister müssen aufgrund des geringen Einkommens und des hohen Alters der Großeltern bei den Verwandten leben. Thuong hatte eigentlich, bedingt durch die miserablen Umstände, nicht die Möglichkeit einer Schulbildung. Doch Dank der Unterstützung von ihrem Paten kann sie die Schule besuchen und beabsichtigt, so erzählt sie uns, ihr Abitur zu absolvieren und anschließend eine Ausbildung zu machen, um ihre Großeltern finanziell unterstützen zu können. Als sie anfängt über ihre Träume zu erzählen, wurde sie sehr emotional und hatte Tränen in den Augen. Tränen der Dankbarkeit gegenüber der Unterstützung ihres Paten, aber auch die Tränen der Hoffnung auf ein besseres Leben. Obwohl ihr noch viele Schwierigkeiten und Herausforderungen bevorstehen, sehe ich in ihren Augen einen starken Willen, der die Kraft hat, alle Hindernisse überwinden zu können.

Nguyen Duc Thanh Nhan ist das zweite Kind, dem wir einen Besuch abstatten.

In das Patenschafts-Programm unserer Hilfsorganisation werden im Regelfall eigentlich nur Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren aufgenommen. Bei dem 4 Jahre alten Nhan und seinem 2 Jahre jüngeren Bruder wurde jedoch, aufgrund ihrer besonderen Lebenslage, eine Ausnahme gemacht.

Beide Kinder wohnen mit ihrem Vater und den Großeltern zusammen. Die Mutter ist an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstorben und der Vater arbeitet als Saisonbauer und ist somit nur eine begrenzte Zeit im Jahr erwerbstätig.

Die Kinder sind noch zu kleine, um begreifen zu können, wie viel Schmerz ein junger Vater, der seine Ehefrau so früh an den Krebs verloren hat, ertragen und erleiden muss. Der Vater erzählt uns, dass er nicht aufgeben dürfe. Er müsse viel arbeiten und sich Mühe geben, damit er seine Kinder und seine Eltern ernähren kann. Außerdem erzählt er uns, dass er seine Ehefrau in seinen beiden Kindern wieder sehe, und diese Tatsache verleihe ihm jetzt seine Lebenskraft.

Der 4-jährige Nhan hat bereits einen Paten, Herrn Willi Ludwigs. Es bleibt zu hoffen, dass auch sein jüngerer Bruder in eine Patenschaft eingebunden werden kann.

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Zum Schluss besuchen wir zwei Familien, deren Kinder zur Zeit noch keine Paten haben.

Bei der ersten Familie handelt es sich um seine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die einen Minijob in einem kleinen Lokal besitzt. Sie bemüht sich sehr, ihre Kinder in die Schule schicken zu können.

Die zweite Familie hat einen 15-jährigen, körperlich eingeschränkten Sohn, der sich kaum bewegen kann, und eine kleine Tochter, die momentan die 2. Klasse einer Grundschule besucht. Der Vater ist Alleinverdiener in der Familie. Sie suchen einen Paten, damit der weitere Schulbesuch finanziert werden kann.

Waisenhaus in der Stadt Hue

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An dem darauffolgenden Tag statten wir in Begleitung der Nonne Su Nhu Minh einen Besuch in einem Waisenhaus, welches sich Uu Dam nennt, 28 km außerhalb der Stadt Hue liegt und sich neben einem ruhigen Fluss und einer kleinen Pagode befindet, ab.

Die Leiterin des Waisenhauses,  Nonne Phuoc Thien, begrüßt uns mit warmem Tee und Ingwer-Marmelade – ein typisches Essen in der Neujahreszeit in Vietnam. Anschließend führt sie Konstantin und mich durch das Haus.

Im Waisenhaus wohnen zur Zeit 46 Kinder im Alter von 2 bis 22 Jahren. Hier gibt es vier Schlafzimmer, jeweils zwei für die Mädchen und 2 für die Jungen, und außerdem noch ein Weiteres für Jugendliche über 17 Jahre. Jedes Kind hat ein eigenes Bett, eigene Decken, Kissen, Zahnbürsten und die notwendigen Sachen für das alltägliche Leben. Überdies gibt es 4 Badezimmer für die Mädchen und ebenfalls für die Jungen, die sehr sorgfältig eingerichtet, sauber und gut beleuchtet sind. Die Küche ist sehr geräumig und hat einen hohen Hygienestand.

Die Kinder sind staatlich krankenversichert und machen auf mich einen, im Allgemeinen, gesunden Eindruck. Ich bemerke jedoch, dass sie sehr dürr wirken, was bei mir den Anschein erweckt, dass die Nahrung sehr knapp ausfällt. Tatsächlich nehmen die Kinder zwar 3 Mahlzeiten am Tag zu sich, jedoch fallen diese sehr mager aus und enthalten keine Milchprodukte.

Außerdem durften wir  noch den Lebensstandard der Kinder, die Qualität der Einrichtung, ihre Hilfsbedürftigkeit, sowie ihre Selbstständigkeitskompetenzen, über einen von uns erstellten Fragebogen und  durch  ein Interview mit der Nonne, erfragen und auswerten.

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Die Kinder können sich in ihrer Freizeit in einem großen Zimmer aufhalten, in der sie viele Filme, Cartoons, buddhistische Medienprodukte und Bücher zur Verfügung stehen haben.

Ich stelle aber leider fest, dass die Auswahl an Spielzeuge sehr begrenzt ist.

An jedem Sonntag bringt ein freiwilliger Amerikaner den Kindern die englische Sprache bei.

Die Kinder sind oft mit ihren Hausaufgaben beschäftigt, und wenn sie diese erledigt haben, kümmern sie sich anschließend  um die kleineren Kinder im Haus. Aus diesem Grund haben sie sehr wenig Zeit für sich, und gemeinsame Ausflüge, die sich die Kinder oftmals wünschen, sind wegen der finanziellen Lage schwer zu verwirklichen.

Der Schulbesuch und die Ausbildung der Kinder hat oberste Priorität in dem Waisenhaus.

Die meisten Kinder sind sehr begeistert vom Lernen, und auf vielen Fragebögen kann man herauslesen, dass sie sich vorgenommen haben, nach dem Abitur entweder auf die Universität zu gehen oder eine Ausbildung zu absolvieren.

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Nach diesen Erfahrungen und Ereignissen berichtet mir Konstantin, dass er sein 3-wöchiges Schulpraktikum im Waisenhaus Uu Dam gerne auf 5 Wochen  verlängern wollen würde.

Das erfreut uns sehr!

Er wird die Einrichtung nun in allen Bereichen unterstützen, und uns über seine Erfahrungen und Wahrnehmungen in einem Bericht informieren.

Wir hoffen, dass Konstantin eine erfahrungsreiche  Zeit in Vietnam durchlebt.